Über die Ansicht: "Klimaschutz und Atomausstieg sind kein Gegensatz"

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Der Ukraine-Krieg hat die Sicherheit von Kernkraftwerken – scheinbar plötzlich – wieder in die öffentliche Diskussion gebracht. „Dass jetzt kriegerische Handlungen in der Nähe von Kernkraftwerken stattfinden, ist zutiefst problematisch und macht Sorge“, sagt Dr. Christoph Pistner im Podcast „Wenden bitte! Der Podcast zu Wissenschaft und nachhaltigen Transformationen“ des Öko-Instituts.

Auch aus einem anderen Grund ist die Stromerzeugung aus Kernenergie wieder in den Fokus gerückt. Denn Atomstrom wird zunehmend als klimafreundliche Energie wahrgenommen, zuletzt durch die EU-Taxonomie sogar für „nachhaltig“ erklärt. Doch brauchen wir Kernenergie für den Klimaschutz? Diesen und weiteren Fragen geht die neue Podcast-Episode nach.

CO2, Preise, Strommix, Sicherheit, „neue“ Reaktoren

Dafür, dass das letzte deutsche Kernkraftwerk Ende 2022 vom Netz geht, gibt es gute Gründe, sagt Pistner. Der Physiker leitet den Bereich „Nukleartechnik & Anlagensicherheit“ am Öko-Institut. Er erklärt im Podcast Fakten rund um die Sicherheit von kerntechnischen Anlagen sowie zu möglichen Risiken, zu offenen Fragen der Endlagerung und den Versprechungen sogenannter neuer Reaktortypen.

So sei mit Blick auf die CO2-Emissionen Strom aus Kernenergie zwar besser als Kohle und Gas, aber die Emissionen sind eben auch nicht null, sondern grundsätzlich vergleichbar mit denen von Solarstrom und Windkraft. An den Preis von erneuerbaren Energien zwischen etwa vier und sechs Cent pro Kilowattstunde kommt Strom aus Kernkraftwerken mit etwa elf Cent allerdings auch nach 70 Jahren kommerzieller Nutzung nicht heran.

Auch importiert Deutschland nicht, wie oft behauptet, große Mengen Strom aus französischen Kernkraftwerken. Vielmehr ist Deutschland schon seit langem Nettostromexporteur. Frankreich beispielsweise importiert mehr Strom aus Deutschland als andersherum.

Die Kernenergie hat schon jetzt im Strommix keinen großen Stellenwert mehr: 2020 kamen aus dieser Quelle noch 11 Prozent des Stroms im deutschen Mix, zwischen 40 und 45 Prozent aus erneuerbaren Quellen und der Rest aus Kohle- und Gasverstromung. Auch weltweit trägt die Kernenergie nur mit rund zehn Prozent zur Stromerzeugung bei.

Keine Versorgungsengpässe 

Aktuelle Diskussionen, die Laufzeit von Kernkraftwerken zu verlängern, um vom russischen Öl und Gas unabhängig zu werden, sind laut Pistner nicht sinnvoll. Eine Laufzeitverlängerung sei mit vielen politischen, juristischen und sicherheitstechnischen Fragestellungen verbunden. Die Versorgung mit Energie aus anderen Quellen sei jedoch realistisch machbar und müsse nicht zu Versorgungsengpässen führen. Dazu sei es aber jetzt nötig, innenpolitisch mit dem notwendigen politischen Gewicht dafür zu sorgen, dass die erneuerbaren Energien, die Stromnetze und -speicher massiv ausgebaut werden. Aber auch außenpolitisch müsse Deutschland zu der Entscheidung ‚Atomausstieg‘ stehen: „Für den Ausstieg gibt es gute Gründe und wir sollten auch international dafür werben.“

Ukraine-Krieg: die Risiken

„Es ist verheerend, wenn in einem Land mit nuklearen Anlagen ein Krieg geführt wird“, sagt Pistner. Dabei ist seine größte Sorge nicht nur, dass Kernkraftwerke gewollt oder ungewollt zu direkten Angriffszielen werden können. Denn: Auch indirekte Folgen sind kritisch. Wird zum Beispiel das Stromnetz der Ukraine beschädigt, kann es zu lang andauernden Stromausfällen kommen. Auch dadurch können Unfallabläufe bis hin zu schweren Störfällen ausgelöst werden.

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